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Wo kommt er her - wo geht er hin ...
Professor Dr. Kurzak berichtete in der Verhandlung über den Bau des Teilsstücks Pastetten-Dorfen der A94, vergangenen Donnerstag am 8. Senat des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes in München, über die Veränderung der Verkehrsströme durch Dorfen, die nach dem Bau der Isentalautobahn zu erwarten sind und über die Mobilitätsentwicklung (bis 2025) anhand seiner für die A94 Planung erstellten Mobilitätsprognosen.

21.10.2010 München (fl) - Ein langatmiger Gutachterstreit bestimmte den ersten Verhandlungtag am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München in der Verwaltungsstreitsache gegen den Weiterbau der A94 im Abschnitt Pastetten-Dorfen. Die beiden als Gutachter der beiden Prozessparteien (Klagegemeinschaft A94 bzw. Freistaat Bayern) bestellten Gutachter, Prof. Dr. Ing. Harald Kurzak (Ingenieurbüro Kurzak) und Prof. Dr. Ing. Peter Kirchhoff (i.R) vom ehem. Lehrstuhl für Verkehrs- und Stadtplanung der TU München, stritten sich stundenlang um die richtige Erstellung von Verkehrsprognosen am Beispiel, der von Kurzak erstellten Verkehrsgutachten für die geplante A94. Stunde um Stunde vergingen. Der Streit entwickelte sich immer mehr zum Expertenstreit auf wissenschaftlicher Ebene. Kaum jemand konnte den Professoren mehr folgen. Der Vorsitzende Richter Dr. Allesch unterbrach immer wieder: " Ich verstehe das nicht. Können Sie uns das erklären..."

Nachdem zahlreiche Zuhörer, Kläger (Grundstücksbesitzer, etc) und teils auch die Presse frustriert gegangen waren, wurde es am späten Nachmittag für die Zuhörer aus dem Raum Dorfen wider Erwarten doch noch recht interessant. Professor Dr. Kurzak erläuterte den drei VGH Richtern am Beispiel der Stadt Dorfen, wie sich entsprechend seiner Prognosen, die Verkehrsflüsse - nach dem Bau der A94 auf der Trasse Dorfen - für Isenstadt verändern werden. "In der Summe bleibt der Verkehr nach Dorfen gleich", so Professor Kurzak. Es werde aber erhebliche Verlagerungen geben.

Einerseits, so Kurzak, wird der Verkehr, der über Osten der Stadt (über Schwindegg, Obertaufkirchen, etc.) nach Dorfen kommt und beispielsweise nach Erding weiterfährt, erheblich abnehmen. "Die Leute werden vor oder bei Schwindegg auf die Autobahn fahren und soweit wie möglich auf der A94 Richtung München bleiben. Über die kleineren Strassen oder die FTO werden sie dann nach Erding oder zum Flughafen kommen." Richter Allesch ließ sich das auf einer Landkarte genau zeigen.

Andererseits werde nach dem Bau der A94 der Verkehr, so Gutachter Professor Kurzak, "aus den nachgeordneten Strassen vom Nordosten (über B388, Moosen, Velden, etc.) nach Dorfen kommend erheblich zunehmen, weil die hier auf die Autobahn wollen". Bestätigt wurde diese prognostizierte Verkehrsentwicklung vom Präsidenten der Autobahndirektion Südbayern Paul Lichtenwald. Der Vorsitzende Richter Dr. Allesch lies diese Darlegungen Kurzaks anschließend ins Gerichtsprotokoll aufnehmen.

Ebenfalls zu erheblichen Diskussionsbedarf führte das von Professor Dr. Kurzak für die A94 Planer erstellte Mobilitätsgutachten. Die Zuhörer im Gericht erfuhren in den Vorträgen der zahlreichen Rechtsanwälte und Gutachter der Kläger (A94 Gegner) und Beklagten (Freistaat Bayern) dass beispiesweise die Mobilität seit etwa sieben Jahren stagniert" (Rechtsanwalt Claus Deißler), die Mobilität wegen der Alterung der Gesellschaft zurückgehen werde (Prof. Kurzak) und "es gibt immer mehr Pendler, die den ÖPNV nutzen" (Prof. Kirchhoff). Eine Sonderentwicklung gäbe es nur im Raum München; wegen des hohen Zuzugs bzw. aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage in der Landeshauptstadt (Prof. Kurzak). Dort wird der Verkehr um bis zu 20 Prozent steigen. Je weiter man von München weg gehe, desto mehr sinke die Belastung.

Fazit: Was bedeuten die oben genannten Verkehrs- und Mobiliätsprognosen für Dorfen, so denn die A94 auf der Isentaltrasse gebaut wird?

  • wenn der Verkehr über Dorfen nach Erding abnehmen wird und der Verkehr, der über Hampersdorf nach Dorfen kommt, stark zunehmen wird - was soll dann eine Ortsumfahrung Dorfen West? Wenn schon, dann müßte man über eine Ortsumfahrung Dorfen Ost nachdenken bzw. die verworfenern Pläne aus dem Abfall holen.

  • wenn der Verkehr über Dorfen zukünftig in der Summe gleich bleiben und es nur eine Verlagerung des Verkehrs von Ost nach Nordost geben wird, ist es unsinnig den Dorfener ständig einzureden, dass "der Verkehr Dorfen nach dem Bau der A94 überrollen wird". (Wobei überrollen sowieso das falsche Wort ist. Wenn zuviele Autos auf den Strassen unterwegs sind, rollt keines mehr. Dann steht man - und dies nennt man Stau!)

  • von den Befürwortern der Dorfener Ortsumfahrung wird auch ständig kolportiert, dass der Verkehr in der Zukunft noch sehr stark zunehmen werde. Betrachtet man die jeweils vorgebrachten Argumente der beiden Professoren Kurzak (Gutachter Beklagter) und Kerkhoff (Gutachter Kläger) vor dem Münchener Verwaltungsgericht zum Thema Mobilitätsentwicklung (Alterspyramide, Versiegen der Treibstoffquellen, Umstieg auf ÖPNV, ...), so sind auch hier Zweifel erlaubt. Richter Dr. Allesch brachte es auf den Punkt: "Wer soll noch fahren, wenn's kein Benzin mehr gibt und wir alle im Altersheim sind".